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Brasilien

Bühne frei für Eigenverantwortung

Die Theatergruppe "Mais de Mil" spielt Schulschwänzer, die sich auf dem Markt herumtreiben. Foto: Mila Petrillo

Salvador hat 2,7 Millionen meist in Armut lebende Einwohner. Foto: Ingvild Mathe-Anglas

In der Rua Gregório de Matos befindet sich der Sitz von CRIA. Foto: Ingvild Mathe-Anglas

Jugendliche üben in verschiedenen Gruppen Stücke zu aktuellen Themen ein. Foto: Ingvild Mathe-Anglas

Die Gruppe "Diálogos" will zum Dialog zwischen den Generationen anregen. Foto: Ingvild Mathe-Anglas

Im Stück "Wer hat die Liebe entdeckt?" werden die Themen Heranwachsen, Sexualität und Diskriminierung aufgegriffen. Foto: CRIA

Im Anschluss an die Aufführung wird das Stück mit dem Publikum diskutiert. Foto: Ingvild Mathe-Anglas

Das Theaterspielen ermöglicht es den Jugendlichen, sich auszudrücken und sich selbst zu fühlen. Foto: CRIA

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In Salvador de Bahia dichten, tanzen und spielen Jugendliche mit einem ganz konkreten Ziel: Ihre miserablen Schulen und ihr häufig bedrückendes Lebensumfeld zu verbessern. Mit ihren Theaterstücken wollen sie Altersgenossen, Lehrer und Politiker wachrütteln. 

In der Princesa-Isabel-Schule in Cidade Nova, einem Randviertel von Salvador de Bahia füllt sich der Schulhof mit Schülerinnen und Schülern in graublauer Uniform. Die CRIA-Theatergruppe "Mais de Mil" wird gleich auftreten. In einem Nebenraum herrscht reges Treiben bei den Schauspielern: Aufwärmen, Stimmübungen, letzte Hand an die Frisur.

"Warum soll ich in die Schule? Da lerne ich doch nichts!"
Das Bühnenbild ist aus Recyclingmaterial gebaut. Die rechteckigen Plastikmodule sind multifunktional: Sie werden einmal zur Fahne Brasiliens, ein andermal zu einem Marktstand. Die jungen Schauspieler verkörpern Schulschwänzer, die auf dem Markt Waren verkaufen, einerseits, weil sie zum Einkommen ihrer armen Familien beitragen müssen, vor allem aber, weil sie keinen Sinn darin sehen, in den Unterricht zu gehen. "Warum soll ich in die Schule?", fragt einer der Schulschwänzer. "Dort lerne ich doch sowieso nichts!"

Neues Selbstbewusstsein
Andréia Nascimento, die 18-jährige Hauptdarstellerin, lebt in dem Viertel, in dem die Princesa-Isabel-Schule liegt. Bei CRIA macht sie nicht nur als Schauspielerin mit, sondern auch als so genannte Multiplikatorin. Sie arbeitet drei Samstage im Monat mit den Schülern und Schülerinnen, spricht zunächst mit ihnen über soziale Themen, studiert dann mit ihnen kleine Theaterstücke ein. Die Botschaft der Stücke: Jeder hat Verantwortung, jeder kann sich verändern und zu allgemeiner Veränderung beitragen. Tatkräftige Hilfe bekommt sie von Lehrer Rafael Gibaut. Er hilft bei der Themensuche und bei der Ausarbeitung der Stücke. Der engagierte Portugiesischlehrer wird von CRIA zu den Themen "Kunst und Erziehung" und "Recht auf sexuelle Selbstbestimmung" weitergebildet und sagt anerkennend: "CRIA ist beeindruckend. Die Jugendlichen bekommen viel mehr Selbstbewusstsein."

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