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In Salvador de Bahia dichten, tanzen und spielen Jugendliche mit einem ganz konkreten Ziel: Ihre miserablen Schulen und ihr häufig bedrückendes Lebensumfeld zu verbessern. Mit ihren Theaterstücken wollen sie Altersgenossen, Lehrer und Politiker wachrütteln.
In der Princesa-Isabel-Schule in Cidade Nova, einem Randviertel von Salvador de Bahia füllt sich der Schulhof mit Schülerinnen und Schülern in graublauer Uniform. Die CRIA-Theatergruppe "Mais de Mil" wird gleich auftreten. In einem Nebenraum herrscht reges Treiben bei den Schauspielern: Aufwärmen, Stimmübungen, letzte Hand an die Frisur.
"Warum soll ich in die Schule? Da lerne ich doch nichts!"
Das Bühnenbild ist aus Recyclingmaterial gebaut. Die rechteckigen Plastikmodule sind multifunktional: Sie werden einmal zur Fahne Brasiliens, ein andermal zu einem Marktstand. Die jungen Schauspieler verkörpern Schulschwänzer, die auf dem Markt Waren verkaufen, einerseits, weil sie zum Einkommen ihrer armen Familien beitragen müssen, vor allem aber, weil sie keinen Sinn darin sehen, in den Unterricht zu gehen. "Warum soll ich in die Schule?", fragt einer der Schulschwänzer. "Dort lerne ich doch sowieso nichts!"
Neues Selbstbewusstsein
Andréia Nascimento, die 18-jährige Hauptdarstellerin, lebt in dem Viertel, in dem die Princesa-Isabel-Schule liegt. Bei CRIA macht sie nicht nur als Schauspielerin mit, sondern auch als so genannte Multiplikatorin. Sie arbeitet drei Samstage im Monat mit den Schülern und Schülerinnen, spricht zunächst mit ihnen über soziale Themen, studiert dann mit ihnen kleine Theaterstücke ein. Die Botschaft der Stücke: Jeder hat Verantwortung, jeder kann sich verändern und zu allgemeiner Veränderung beitragen. Tatkräftige Hilfe bekommt sie von Lehrer Rafael Gibaut. Er hilft bei der Themensuche und bei der Ausarbeitung der Stücke. Der engagierte Portugiesischlehrer wird von CRIA zu den Themen "Kunst und Erziehung" und "Recht auf sexuelle Selbstbestimmung" weitergebildet und sagt anerkennend: "CRIA ist beeindruckend. Die Jugendlichen bekommen viel mehr Selbstbewusstsein."