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Seitdem der Weltmarktpreis für Zucker Anfang der achtziger Jahre einbrach, ist die Armut auf der philippinischen Insel Negros groß. Immer mehr Kleinbauernfamilien setzen daher auf den Fairen Handel, um ihren traditionellen Vollrohrzucker zu vermarkten.
Das Einkommen Jeremiah Patricio ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen; seine Familie muss keinen Hunger mehr leiden. Der ehemalige Plantagenarbeiter lebt mit seiner Frau und fünf Kindern auf der Hacienda Isabel, einer von unzähligen Zuckerrohrfarmen auf der philippinischen Insel Negros. Seit dem 19. Jahrhundert wird hier Zuckerrohr angebaut. Als Anfang der 1980er Jahre die Weltmarktpreise für Zucker einbrachen, stellten viele große Plantagenbesitzer über Nacht die Produktion ein. Auf der Insel wurden 250.000 Plantagenarbeiter mit einem Schlag arbeitslos, viele Menschen hungerten.
Landreform ermöglichte Neuanfang
Nach dem Sturz des Diktators Ferdinand Marcos setzte dessen Nachfolgerin Corazon Aquino eine Landreform in Gang, durch die landlose Bauern und Farmarbeiter erstmals Zugang zu Land erhielten. Sie widmeten sich wieder der Herstellung des traditionellen Vollrohrzuckers. Doch die Preise waren so niedrig, dass sie davon kaum leben konnten.
Im Jahr 2003 begannen die Bauern der Hacienda Isabel mit der Organisation Alter Trade zusammenzuarbeiten. Deren Ziel ist es, Kleinbauern durch die Umstellung auf ökologischen Landbau und die alternative Vermarktung des Zuckers im Rahmen des Fairen Handels ein ausreichendes Einkommen zu sichern. Unter der Anleitung der Alter-Trade-Mitarbeiter stellten Jeremiah Patricio und die anderen den Anbau komplett um: Statt chemischem Dünger verwenden sie nun eine Mischung aus Kuhdung, Hühnermist, ausgepresstem Zuckerrohr und Kalk. Und auf Pestizide verzichten sie vollkommen. Für eine Tonne Zuckerrohr erhalten Patricio und seine Kollegen von Alter Trade 1.400 Pesos (rund 23 Euro) – das ist häufig mehr als das Doppelte des Preises auf dem stark schwankenden freien Markt.
Bio-Rohrzucker wird auch nach Deutschland exportiert
Fast die Hälfte der Bioproduktion wird im eigenen Land abgesetzt. Der Rest geht im Rahmen des Fairen Handels nach Europa. Größter Abnehmer ist die deutsche Fairhandelsorganisation GEPA, die den Bio-Rohrzucker mit großem Erfolg vertreibt – nicht nur als Rohprodukt, sondern auch als Bestandteil hochwertiger Schokoladen. Mit seinem Einkommen von drei bis fünf Euro am Tag kann Patricio seine Kinder nun zur Schule schicken.