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Ein eigenes Einkommen stärkt das Selbstbewusstsein jeder Frau. Foto: Christof Krackhardt
Keine andere soziale Bewegung hat das Zusammenleben der Menschen in den vergangenen 50 Jahren so stark verändert wie die Frauenbewegung.
"Brot für die Welt" hat erst Mitte der 1980er Jahre damit begonnen, seine Arbeit explizit an Frauen zu richten, zunächst mit Programmen der Frauenförderung. Unter dem Schlagwort "Gender Mainstreaming" ging es dann ab 1995 darum, das Verhältnis zwischen Männern und Frauen gerechter zu gestalten. In der Grundsatzerklärung "Den Armen Gerechtigkeit" (2000) wurde Geschlechtergerechtigkeit als Querschnittsaufgabe verankert. Dass "Brot für die Welt" nach einem späten Start zu einem Vorreiter der geschlechtergerechten Entwicklungszusammenarbeit wurde, liegt auch an einem intensiven Dialog zwischen Mitarbeiterinnen des Hilfswerks und ihren Kolleginnen in fortschrittlichen Partnerorganisationen im Süden.
Frauen als Motor der Entwicklung
Selbsthilfegruppen sind ein wichtiges Instrument der Frauenförderung. Neben gemeinsamem Sparen und der Vergabe von Kleinkrediten engagieren sich die Frauen vielerorts auch für die Verbesserung lokaler Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen. Die Studien im Rahmen der Wirkungsdokumentation haben gezeigt, dass von Frauen erwirtschaftetes Einkommen in besonderer Weise den Familien zugute kommt und dass in Selbsthilfegruppen engagierte Frauen ihre Kinder häufiger in die Schule schicken. Wirtschaftliche Stärkung, Selbstbewusstsein und sozialer Statusgewinn von Frauen bedingen sich gegenseitig. Sie bilden zusammen das Fundament für mehr Geschlechtergerechtigkeit.
Geschlechterrollen verändern sich langsam
Die Verbesserung von Frauenrollen verläuft nicht ohne Rückschläge. In den Fallstudien der Wirkungsdokumentation wurden auch unerwünschte Nebenwirkungen beobachtet. Wenn Frauen zum Beispiel ein eigenes Einkommen erwirtschaften oder sich politisch engagieren und dennoch die gesamte Familienarbeit weiterhin allein leisten müssen, führt das zu Überlastung. Und wenn Frauen Gewalt in der Ehe anzeigen können, wechseln Männer manchmal zu weniger offensichtlichen Formen der "Züchtigung". Diese Erfahrungen haben "Brot für die Welt" und seinen Partnerorganisationen gezeigt, dass Geschlechtergerechtigkeit nur erreicht werden kann, wenn sich auch Männer aktiv dafür einsetzen. Im Rahmen von Männertrainings wird eine neue Arbeitsteilung in Familie und Gesellschaft diskutiert – eine Herausforderung, die nicht nur in Entwicklungsländern sondern auch in Deutschland brandaktuell ist.