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Nach Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) aus dem Jahr 2006 arbeiten weltweit 191 Millionen Kinder zwischen fünf und 14 Jahren.
Fast zwei Drittel der arbeitenden Kinder stammen aus Asien (122 Millionen), rund ein Viertel aus Afrika (49 Millionen), ca. drei Prozent aus Lateinamerika (sechs Millionen). Gemessen am Anteil an der Gesamtbevölkerung ist Afrika der Kontinent mit der meisten Kinderarbeit: Hier müssen 26 Prozent aller Kinder einer Beschäftigung nachgehen. In Asien sind es 19 Prozent, in Lateinamerika fünf Prozent. Fast 70 Prozent aller arbeitenden Kinder sind in der Landwirtschaft tätig, 22 Prozent im Dienstleistungssektor und neun Prozent in der Industrie.
Von den 191 Millionen erwerbstätigen Kindern sind nach ILO-Definition 166 Millionen Kinderarbeiter im engeren Sinne, d.h. sie gehen regelmäßig (und nicht nur ein paar Stunden pro Woche) einer Tätigkeit nach. Von diesen 166 Millionen Kinderarbeitern verrichten wiederum 74 Millionen eine Tätigkeit, die als gefährlich für ihre körperliche und seelische Entwicklung angesehen wird: Sie arbeiten mehr als 43 Stunden pro Woche, verrichten besonders schwere Arbeiten (z.B. im Steinbruch), stehen in Schuldknechtschaft, werden als Kindersoldaten oder Drogendealer missbraucht oder zur Prostitution gezwungen.
Das Ende der Kinderarbeit – zum Greifen nah?
Zwischen 2000 und 2004 ist die Zahl der erwerbstätigen Kinder nach Angaben der ILO um 20,3 Millionen bzw. 9,6 Prozent zurückgegangen. Dabei gab es jedoch erhebliche regionale Unterschiede: Am größten war der Rückgang in Lateinamerika (-11,7 Mio). In Asien ging die Zahl arbeitender Kinder nur um fünf Millionen zurück, in Afrika stieg sie sogar um 1,3 Millionen. Die Zahl der Kinder, die besonders schwere oder gefährliche Arbeiten verrichten mussten, sank nach Angaben der ILO um 37 Millionen bzw. 33 Prozent.
Dieser positive Trend verleitete die ILO zu der gewagten These, dass "das Ende der Kinderarbeit zum Greifen nah" sei. Diese Aussage wurde von vielen Nichtregierungsorganisationen scharf kritisiert: Zum einen deshalb, weil das Ausmaß der (eingeräumten) Kinderarbeit nach wie vor bedrückend ist, zum anderen weil die Zahlen der ILO aus einer Reihe von Gründen mit Vorsicht zu genießen sind: In vielen Staaten arbeiten statistische Ämter nur sehr unzuverlässig, viele Kinder sind im informellen Wirtschaftssektor tätig, d.h. ihre Arbeit wird nirgendwo erfasst, und die Daten werden in den einzelnen Ländern nach unterschiedlichen Methoden erstellt. Viele Experten gehen davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Kinderarbeiter weit höher ist.