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Die Arbeit im Steinbruch zählt zu den schlimmsten Formen der Kinderarbeit. Foto: Jörg Böthling
Weit mehr als die Hälfte der arbeitenden indischen Kinder ist in der Landwirtschaft tätig. Umfang und Schwere der Arbeit variieren dabei stark: Während manche Kinder "nur" für ihre Eltern das Vieh hüten, Wasser holen oder bei Aussaat und Ernte helfen, schuften andere bis zu 14 Stunden am Tag gegen geringe Entlohnung auf großen Plantagen. Weit verbreitet ist Kinderarbeit in der Produktion von Baumwollsamen. Diese Tätigkeit erfordert zum einen eine große Zahl an Arbeitskräften, zum anderen eine gewisse Fingerfertigkeit. Daher werden gerne Mädchen eingesetzt. Immer wieder kommt es zu Vergiftungen, da Pestizide selbst dann benutzt werden, wenn auf den Feldern gearbeitet wird.
Steinindustrie
Äußerst gefährlich ist auch die Arbeit im Steinbruch, wo Kinder an fast allen Stufen des Abbauprozesses beteiligt sind. Meist ist es die Aufgabe der Jungen, die herausgesprengten oder -gebrochenen Steinblöcke mit Hämmern zu zerkleinern, während die Mädchen die zerkleinerten Steine in Körben sammeln und auf dem Kopf zu Lastern tragen. Bei der Arbeit im Steinbruch gehen Kinder nicht nur das Risiko ein, durch Fehlsprengungen oder herabfallende Steine verletzt zu werden. Eine tödliche Bedrohung ist auch der bei Abbau und Verarbeitung entstehende Staub, der neben Allergien und Hautkrankheiten auch Lungenkrankheiten wie Silikose verursacht.
Teppichindustrie
Deutlich zurückgegangen ist die Zahl der arbeitenden Kinder in der Teppichindustrie. Noch Anfang der 1990er Jahre knüpften in Indien, Nepal und Pakistan eine Million Kinder in 10- bis 14-Stundenschichten in schlecht beleuchteten und belüfteten Räumen Teppiche. Viele Kinder trugen durch die lange Arbeit an den Webstühlen dauerhafte Schäden davon. Dank der von "Brot für die Welt" und anderen initiierten Kampagne zur Bekämpfung der Kinderarbeit in der Teppichindustrie und der Einführung des "Rugmark"-Siegels für kinderarbeitfreie Teppiche ging die Zahl der Teppich knüpfenden Kinder in Südasien auf 300.000 zurück.
Textilindustrie
Zugenommen hat dagegen die Zahl der Kinder, die in Stickereibetrieben arbeiten. In Neu Delhi und Mumbai, den Zentren der indischen Stickerei, arbeiten Schätzungen zufolge je ca. 100.000 Kinder. Viele dieser Kinder stammen aus den armen Bundesstaaten Bihar, West-Bengal und Orissa. Meist werden sie von Mittelsmännern "angeworben", die den Eltern versprechen, dass ihre Kinder in der Stadt ein besseres Leben führen, dass sie zur Schule gehen und dass sie eine Ausbildung als Sticker erhalten. Die Realität sieht anders aus: Die Kinder müssen 12-16 Stunden pro Tag arbeiten, haben nur einen Tag in der Woche frei und verdienen maximal fünf Euro im Monat.
Haushalt
Nicht zuletzt aufgrund des wachsenden Wohlstands in den Städten sind auch immer mehr Kinder als Hausangestellte tätig. Laut Schätzungen arbeiten bis zu zehn Millionen Kinder in diesem Bereich, 90 Prozent von ihnen sind Mädchen. Normalerweise haben sie keine festgelegten Arbeitszeiten oder Aufgaben: Sie müssen ihren Arbeitgebern rund um die Uhr zur Verfügung stehen. Typische Tätigkeiten sind Kochen, Waschen, Bügeln, Saubermachen, Einkaufen und Kinderbetreuung. Hausmädchen und -jungen haben in der Regel kein eigenes Zimmer. Auch nehmen sie nicht an den Mahlzeiten teil, sondern essen das, was die Familienmitglieder übrig lassen. Wenn sie den Ansprüchen ihrer Arbeitgeber nicht genügen, werden sie häufig geschlagen; nicht selten kommt es auch zu sexuellem Missbrauch. Ihre Machtlosigkeit und die tägliche Diskriminierung lassen die Kinder jegliches Selbstwertgefühl verlieren.