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Künstler regt zum Nachdenken und Handeln an

Klimaflüchtlingslager in Weimar

Der Künstler Hermann Josef Hack und "Brot für die Welt"-Referent Johannes Küstner vor dem Nationaltheater in Weimar

Die Folgen des Klimawandels treffen die Ärmsten am härtesten. Zunehmende Überflutungen, Bodenversalzungen und Dürren entziehen Menschen ihre Lebensgrundlage. Im Extremfall werden die Opfer dieser Klimafolgen heimatlos. Der Künstler Hermann Josef Hack hat dieses Thema gemeinsam mit "Brot für die Welt" mit einer ungewöhnlichen Aktion in die Öffentlichkeit getragen. Am 19. September 2008 erklärte Hack das Nationaltheater in Weimar zum "Klimaflüchtlingslager" und errichtete ein Camp mit über 300 Zelten auf dem Theaterplatz.

Hack fordert die Menschen mit seinen Kunstaktionen seit Jahren zum Nachdenken auf. Der Künstler macht deutlich, dass jeder Verantwortung übernehmen muss, wenn die Klimaungerechtigkeit überwunden werden soll. "Only Art Will Stop Climate War" steht auf einigen seiner Zelte. Kunst spielt eine wichtige Rolle beim Lernen für Zukunftsfähigkeit. Davon sind auch Johannes Küstner, Referent bei "Brot für die Welt" und Michael Rabisch von der Koordinationsstelle Dekade Thüringen überzeugt. Gemeinsam haben sie mit Hack die Kunstaktion geplant und vorbereitet. "Die entscheidende Frage in der Bildung für nachhaltige Entwicklung ist, wie wir vom Wissen zum Handeln kommen. Kunst kann helfen, diese Kluft zu überbrücken, wenn Menschen einen sinnlichen Zugang zum Thema erfahren" so Küstner.

Der Plan ging auf. Die Aktion, die heute in Weimar stattfand, war ein voller Erfolg. Bereits als Hack am Vormittag begann seine Miniaturzelte auf dem Theaterplatz aufzustellen, versammelten sich etliche Menschen und bestaunten die Aktion. Gegen 11.00 Uhr standen über 300 Zelte auf dem Platz und viele Passanten waren ins Gespräch gekommen. Wenig später erklärte Hack das Nationaltheater in Anwesenheit der Presse zum "Klimaflüchtlingslager". An der Ballustrade des Deutschen Nationaltheaters war auf einer großen Plane zu lesen: "Ich erkläre das Nationaltheater zum Klimaflüchtlingslager. Weimar, 19. Sep. 2008. Hermann Josef Hack". Für die interessierten Fußgänger war es eine Attraktion. Neben den acht Pressefotografen fotografierten ungefähr 400 Touristen das Klimaflüchtlingslager.

Die Menschen, die wegen der ungewöhnlichen Kunstaktion stehen blieben, erkundigten sich darüber, wie "Brot für die Welt" die Ärmsten bei der Anpassung an die Folgen des Klimawandels unterstützt. Sie unterhielten sich auch darüber, was in Deutschland für den  Klimaschutz getan wird. Schnell verbreitete sich die Meinung: Es wird viel geredet, aber wenig getan. Hack machte dabei deutlich: "Während wir in den Industrieländern die Verursacher des Klimawandels sind, müssen die Menschen am meisten darunter leiden, die ihn am wenigsten zu verantworten haben. Diese Ungerechtigkeit muss aufhören." Der Künstler ist überzeugt, dass ein Kurswechsel notwendig ist. Deswegen nutzte er die Aktion auch, um auf die im Oktober erscheinende Studie "Zukunftsfähiges Deutschland in einer globalisierten Welt" aufmerksam zu machen. Diese Studie zeigt auf, welchen Anteil Deutschland an der Überlastungen der Ökosysteme hat und was getan werden kann, um die Folgen des Klimawandels in einem kontrollierbaren Ausmaß zu halten. Die Herausgeber der Studie – Brot für die Welt, Evangelischer Entwicklungsdienst und BUND – wollen unter dem Leitmotiv "Zukunft fair teilen" eine breite gesellschaftlich Debatte darüber anstoßen, wie solidarische und umweltschützende Wege in die Zukunft eingeschlagen werden können. Das betrifft viele Bereiche unseres Lebens. Wohnen, Mobilität, Ernährung – all diese Felder sind in Deutschland durch einen viel zu hohen Energie- und Ressourcenverbrauch gekennzeichnet.

"Erst wenn die Nachfrage nach Öl sinkt, lohnt es nicht mehr, Förderzonen im Urwald zu erschließen, erst wenn der Wasserdurst von Plantagen und Fabriken abklingt, bleibt genügend Grundwasser für Trinkwasserbrunnen in Dörfern, erst wenn der Wunsch nach Rindersteaks zurückgeht, braucht nicht mehr Boden für Weiden und Futtermittelanbau vereinnahmt zu werden"  so die Studie "Zukunftsfähiges Deutschland".

Hack machte den Weg in die Zukunft und den Sprung vom Wissen zum Handeln für die Menschen in Weimar konkret und überschaubar: nämlich mit einem ersten Schritt. Viele Menschen beteiligten sich an der Kunstaktion, indem sie ihren nächsten persönlichen Schritt für den Klimaschutz auf eines der Zelte schrieben. Auch Superintendent Henrich Herbst war mit dabei. "Mehr Solardächer auf Kirchhäuser im Kirchenkreis Weimar!" schrieb er auf ein Zelt. Das Zelt durfte Herbst mitnehmen und will es nun in der Superintendentur aufstellen. Er hofft, dass in der Kirche noch mehr Menschen beginnen, sich aktiv für die Bewahrung der Schöpfung einzusetzen.

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