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12.000 von vier Millionen Einwohnern Costa Ricas sind HIV-positiv, schätzt das Gesundheitsministerium. Das ist zwar ein im internationalen Vergleich moderater Wert. Doch die Tendenzen sind beunruhigend. Täglich wird ein neuer HIV-Fall diagnostiziert. Und die Krankheit trifft keineswegs nur Risikogruppen.
"Selbst das Personal in den Krankenhäusern ist schlecht informiert", sagt Miguel Rojas, für die HIV-Prävention zuständiger Mitarbeiter bei der lutherischen Kirche in Costa Rica (ILCO). Die Bevölkerung weiß noch viel weniger. Dabei sind die, die sich anstecken, immer jünger. Auch, weil die Jugendlichen keine gute Sexualerziehung haben. "Aber wir dürfen nicht schweigen", sagt der ILCO-Mitarbeiter. "Die Pandemie zwingt uns, offen zu reden, über unsere Sexualität, über unsere Lebensstile."
Fundamentalistische Gruppen behindern die Aufklärung
Für den Psychologen Rojas verhindert in Costa Rica vor allem die wachsende Zahl "fundamentalistischer religiöser Gruppen" die bitter notwendige offene Diskussion über die Immunschwächekrankheit. Diese Gruppen sehen Aids als Folge eines "sündigen Lebenswandels" und verhindern mit ihrem politischen Einfluss breit angelegte Aufklärungsbemühungen über die Infektionsrisiken der Krankheit.
Vorreiterrolle im Land
Die ILCO mit ihren landesweit acht vollamtlichen Pastoren nimmt damit eine einzigartige Stellung in Costa Rica ein. Unter den rund 300 Glaubensgemeinschaften des Landes ist die lutherische Kirche bisher die einzige, die sich für einen offenen Umgang mit HIV und Aids ausgesprochen hat. Seit mehr als zwei Jahren bietet sie seelsorgerliche Begleitung für HIV-positive Menschen an, öffnet ihre Gemeinden bewusst für Infizierte, damit sie einen Ort finden, wo sie vorbehaltlos angenommen werden, und veranstaltet Kurse mit Betroffenen.
Anerkennung durch die Regierung
Gemeinsam mit HIV-Organisationen mischt sich die ILCO auch in die Politik Costa Ricas ein. Im vergangenen Jahr hat sie an der Regierungsanhörung zur neuen Aids-Strategie teilgenommen und erhält dafür dankbar Anerkennung. Die für das Dossier zuständige Vizegesundheitsministerin Lidieth Carballo sagt: "Ich wünschte mir, es gebe mehr solcher Kirchen wie die ILCO."