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Peru

Das Comeback der tollen Knolle

In Peru gibt es rund 3.800 verschiedene Kartoffelsorten.

Perus Agrarpolitik fördert lediglich die auf den Export zielende Landwirtschaft – die Kleinbäuerinnen und Kleinbauern werden vergessen.

CHIRAPAQ, die Selbsthilfeorganisation der bedrohten Bauern, möchte die Lebensbedingungen der indigenen Bevölkerung verbessern.

Mit dem Anbau und Verkauf von Gemüse können sich die ein kleines Zusatzeinkommen erwirtschaften.

"Unser Speisezettel ist reichhaltiger und ausgewogener geworden", erklärt die Bäuerin Melania Taboada. 

CHIRAPAQ setzt bei dem Ernährungsprogramm nicht nur auf die Wiedereinführung alter Sorten, sondern auch auf biologische Landwirtschaft.

Zur Verbreitung des landwirtschaftlichen Wissens setzt CHIRAPAQ auf die Methode "von Bauer zu Bauer", mit der bereits "Brot für die Welt"-Partner in anderen Ländern gute Erfahrungen gemacht haben.

Mitarbeitende wie Raúl Inostroza bilden ausgewählte Bäuerinnen und Bauern zu Promotoren aus, die das erworbene Wissen dann in ihren Dörfern weitergeben.

Kariel Vilcapoma, CHIRAPAQ-Promotor, stellt seinen eigenen Biokompost her.

Die Erfolge können sich sehen lassen: "Vor einigen Jahren fanden wir nur sieben ursprüngliche Kartoffelsorten. Drei Jahre später waren es schon 107."

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Schon vor Urzeiten wurden in Peru Kartoffeln angebaut. In dem Andenland gibt es rund 3.800 verschiedene Sorten – die jedoch kaum noch jemand kennt. Mit Unterstützung von "Brot für die Welt" hilft die Bauernorganisation CHIRAPAQ, diese einzigartige Vielfalt zu bewahren und die Ernährung der Bevölkerung zu sichern.

Lächelnd hält Raúl Inostroza die dunkle, knollige Kartoffel in die Höhe, die er soeben aus dem Acker gegraben hat. "Das ist die Schwarze, die die Schwiegertochter zum Weinen bringt", sagt der Agraringenieur auf Quechua, der heute noch gebräuchlichen Indiosprache in Perus Andenhochland. Der Ausbilder der Bauernorganisation CHIRAPAQ erläutert die Herkunft des eigenartigen Namens: Nur diejenigen jungen Frauen, die die stark gefurchte Knolle sauber schälen konnten, kamen früher als Ehefrau in Frage. So jedenfalls will es die Sage. Mehr als 100 traditionelle Kartoffelsorten hat CHIRAPAQ mit Unterstützung von "Brot für die Welt" in der Region um das Andenstädtchen Vilcashuamán in den letzten Jahren wieder heimisch gemacht.

Dank der Landwirtschaftsreformen des Inkaherrschers Pachacútec war die Region Vilcashuamán, "die Erde des heiligen Falken", einst reich. Im Unterschied dazu ist sie heute bettelarm. "Es gibt viele unterernährte Kinder", klagt Hugo Salvatierra, Leiter von CHIRAPAQ in Vilcashuamán. Mehr als ein Drittel der Familien dort lebt in extremer Armut. Grund für die desolate Lage ist laut Salvatierra zum Teil die verfehlte Agrarpolitik Perus. Denn die Regierung fördert lediglich die industrialisierte Landwirtschaft. In Vergessenheit gerät dabei die Mehrheit der Kleinbauern, die mehr schlecht als recht von ihren ein bis drei Hektar kleinen Feldern leben.

Daher unterstützt CHIRAPAQ die Bevölkerung bei der Wiederentdeckung der traditionellen Kartoffelsorten sowie weiterer traditioneller Nutzpflanzen. In den 16 Dörfern um Vilcashuamán, in denen die Organisation aktiv ist, besticht die bunte Mischung auf den Feldern, die in Peru sonst nur selten zu sehen ist. Hier wachsen Hafer, Gerste, Saubohnen, Sauerklee, Kapuzinerkresse und Andenhirse.

Weitergegeben wird das Wissen im Erfahrungsaustausch zwischen den Bauern, der Methode, die "Brot für die Welt" auch in anderen Ländern Lateinamerikas fördert. Inostroza und Salvatierra bilden dafür ausgewählte Bauernfamilien in den Dörfern aus, die so genannten "Promotoren", die wiederum ihr Wissen mit den Nachbarn teilen.

Die Indiobauernorganisation setzt dabei auf die Gleichberechtigung von Mann und Frau. Rund die Hälfte der Promotorinnen und Promotoren sind weiblich. Ausbilderin Rita Castro erklärt warum: "Wir arbeiten mit den Frauen, weil man über sie die gesamte Familie erreichen und verändern kann." Auffällig viele Familien bemühen sich bereits um Gleichberechtigung im Alltag, wie das Bauernpaar Lucas Tenorio und Alejandra León: "Wir reden jetzt immer miteinander. Unsere Familie ist seither besser organisiert. Wir essen besser. Und wir leben besser."

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