x
Zu den Inhalten springen

Servicenavigation

Brot für die Welt

Hauptnavigation

16.06.2011

Urlaubsziele

Ab in den Urlaub! Aber wohin? Meine Frau drängt mich ja, ich solle mir endlich mal eine Wildtier-Safari in Ostafrika gönnen. Schließlich bin ich Hobby-Zoologe und trotz etlicher beruflicher Afrika-Reisen bisher nie dazu gekommen. Außerdem wird es wohl Zeit. Wenn die Alarmmeldungen zutreffen, soll Serengeti nun doch sterben. Tanzanias Regierung plant trotz weltweiter Aufschreie immer noch eine Fernstraße quer durch den berühmtesten aller Nationalparks. Da helfen dann keine Wildtierbrücken oder Krötentunnel, wie wir sie immer öfter an unseren Autobahnen bauen. Die lebensnotwendigen Wanderungen der großen Herden kämen unweigerlich zum Stillstand – danach das große Sterben. Vater und Sohn Grzimek, beide in der Serengeti begraben, hätten am Ende verloren. Und mit ihnen wir alle.

Also Serengeti, auf den letzten Drücker? Mit dem Flugzeug. Wie sonst? Bewegend, dass meine Frau mir dazu rät, obwohl sie kenntnisreich und hartnäckig in unserem heimischen Alltag um unsere familiäre Energie- und Klimabilanz kämpft; um jedes Kilo CO2 und um jedes Kilowatt weniger.

Oder sollen wir doch in der europäischen Nachbarschaft bleiben? In dem kleinen Dorf ohne touristisches Trallala, am Comer See in Norditalien, wo wir uns auskennen, wohin wir bequem und klimafreundlich mit der Bahn reisen können? Ich gebe zu, dass mich bei den früheren Gelegenheiten schon eine gewisse Schadenfreude heimgesucht hat, wenn ich von den Blechlawinen hörte, die Mitteleuropas Sonnenhungrige Richtung Süden im Stop-and-Go-Modus bewältigen müssen.

Gut, am Ziel, da hatten die anderen ihr Auto, ich nicht. Aber vom Auto habe ich mich schon gegen Ende des 20 Jahrhunderts entwöhnt. Ganz ohne großen Vorsatz, wenn ich mich recht erinnere; und auch ohne, dass ich meinen Reiseberuf dafür hätte aufgeben müssen. Im Gegenteil, meine von Kollegen des öfteren gerühmte gute Kenntnis von Sitzungsunterlagen hatte entscheidend mit der klimafreundlichen und nervenschonenden Bahn-Anreise zu tun.

Was mache ich also mit den zwei Seelen in meiner Brust? Stelle ich mir den ökologischen Persilschein aus? Womöglich, indem ich eine Kompensationsspende für das Flugticket nach Ostafrika leiste? Einschlägige Initiativen existieren. Oder tausche ich einfach 5.000 km Fahrrad pro Jahr, beruflich und privat, gegen eine größere Öko-Sünde? Man gönnt sich ja sonst nix!

Oder passt das einfach nicht in den Sommer nach Fukushima; den Sommer, in dem der Ausstieg aus der Kernenergie politisch beschlossene Sache ist? Die neue Zeit, in der genau deshalb großes Unheil bei der nationalen CO2-Bilanz drohen könnte?

Nun ja, ich freue mich auf die Bahnfahrt zum Comer See und eine Handvoll guter Tierfilme.

von Harald Rohr

 

© 2012 Brot für die Welt
RSS-Feeds Newsletter Sitemap Bookmarks
Kontakt | Impressum | Datenschutz