x
Zu den Inhalten springen

Servicenavigation

Brot für die Welt

Hauptnavigation

09.06.2011

Köhler aus Indonesien

Eigentlich habe ich nichts dagegen, wenn mir an Sommerabenden aus der dörflichen Nachbarschaft hin und wieder Duft vom Grill durch die Nase zieht. Vegetarier werde ich wohl nicht mehr werden. Auch wenn meine Frau und ich unseren, d.h. eher meinen Fleischkonsum einvernehmlich in etwa auf das Niveau unserer Nachkriegskindheit vor gut 60 Jahren reduziert haben. Fleisch aus industrieller Massentierhaltung will mir schon lange nicht mehr schmecken. Der Preis für das billige Zeugs ist einfach viel zu hoch, natürlich nicht der an der Ladenkasse.

Über das Tierleben oder das Tierleiden, das hinter dem Grillvergnügen meiner Nachbarn verborgen ist, stehen mir nur Mutmaßungen zu, die ich für mich behalten sollte. Nur soviel: ihre Eigenheime zeugen von einem Einkommen, bei dem Biofleisch-Einkauf ohne Jammern möglich sein müsste. Hoffentlich tun sie´s auch.

So könnte ich mir die ortsüblichen sommerlichen Duft-Emissionen eigentlich ohne Groll gefallen lassen – hätte ich nicht gerade gestern Post bekommen von einer der hartnäckigen Organisationen, die mir in meinem Rentnerdasein helfen, die echten Zukunftsfragen in etwa im Blick zu behalten.

Pünktlich zur Grillsaison lese ich da einiges über die Herkunft der Holzkohle, ohne die kein Steak gar wird. Für unsereinen kommt die Holzkohle aus dem Supermarkt, woher sonst? Wir Alten haben in der Volksschule vielleicht noch einen Lehrfilm über das zwischenzeitlich ausgestorbene Köhlerhandwerk gesehen. In den Wäldern meiner Urlaubsgegenden bin ich nie auf einen gestoßen. Nur zwei Freilichtmuseen wüsste ich zu nennen. Deren Schau-Meiler können die hiesige Grill-Gemeinde wohl kaum bedienen.

Auch bei den Grill-Vorbereitungen ist längst der Weltmarkt eingesprungen. 200.000 t Holzkohle, erfahre ich, werden jährlich nach Deutschland verschifft. Achtung: vornehmlich aus Ländern, die sich weiteren Raubbau an ihren Wäldern nun wirklich nicht leisten können: Indonesien, Nigeria, einige Länder in Südamerika.

Nein, das ist wirklich unbekömmlich, vor allem für die kleinen Leute, deren Existenz daran hängt, dass aus echten Wäldern keine Palmölplantagen oder Sojafelder werden. Da sind natürlich auch die afrikanischen Mütter, für die der herkömmliche Brennstoff Holzkohle angesichts des Exportbooms unbezahlbar wird.

Dieser Holzkohle-Steckbrief ist wahrlich keine Top-Secret-Nachricht; einfach nur eine Markt-Information – und ein Beweis dafür, dass sich Gier und Unvernunft des Marktes auch über die scheinbar unschuldigen Vergnügungen des Alltags legen.

Der Vorbereitungskreis unseres Gemeindefestes sollte darüber reden.


Von Harald Rohr

 

© 2012 Brot für die Welt
RSS-Feeds Newsletter Sitemap Bookmarks
Kontakt | Impressum | Datenschutz