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Es ist allerhand, was die Kundin da aufs Laufband an der Supermarktkasse packt. Typischer Wochenendeinkauf für eine junge Familie. Trotzdem, es geht flott. Die Kassiererin findet mit geübtem Griff die Strichcodes. In Sekundenbruchteilen ertönen die Erfassungssignale. Die Kundin hat schon die Kreditkarte in der Hand. Kurz ins Lesegerät, ein Rechnungsausdruck, eine Unterschrift, der Nächste bitte.
Aber die Kundin mit dem gut gefüllten Einkaufswagen will noch was loswerden. „Können Sie der Marktleitung bitte noch was ausrichten?“ Die Verkäuferin nickt Zustimmung. „Also, ich finde das ärgerlich, dass ich mein Fahrrad heute nicht neben dem Eingang abstellen konnte. Ihr Bratwürstchenstand blockiert den ganzen Fahrradständer. Ich muss mein Zeug jetzt quer über den ganzen Parkplatz schleppen.“ Die Kassiererin zeigt auf die Chefin. Wie sich‘s trifft, sortiert sie drei Meter weiter die Illustrierten.
So werden wir Wartenden Ohrenzeugen dessen, was folgt. Die junge Mutter wiederholt ihre Klage. Die Marktleiterin gibt sich verständnisvoll und versucht zu erklären. „Irgendwo mussten wir hin mit dem Aktionsstand.“ „Und“, meint sie ganz sachlich „Kunden mit Fahrrad kommen weniger und bringen auch weniger Umsatz. Die Parkplätze müssen wir leider alle frei halten.“
Bisher war´s nur ein bisschen interessant. Aber jetzt spüre ich auch eine Prise Ärger. Auch mein Rad parkt heute 50 Meter vom Eingang entfernt. Meine Spezialkörbe haben ein gutes Fassungsvermögen. Außerdem halte ich mich soweit wie möglich an das nicht ganz billige Bio-Sortiment des Marktes. Auch die radfahrende Kundin vor mir hat einige Zehn-Euro-Scheine an der Kasse gelassen.
Nun ja, die Supermarktchefin muss gewiss zur Nachschulung. So ein verunglücktes Kundengespräch schadet der Firma. Aber hinter ihrem Argument vom Radfahrer mit der schwächelnden Kaufkraft steckt ja einiges mehr. Alle wirtschaftpolitischen Heilsbotschaften vom angeblichen Ende der globalen Krise im Goldenen Herbst 2010 kleben gleichsam unlösbar am neuen Boom der Autoindustrie – und im Gefolge an den Umsätzen all derer, die andere industrielle Konsumgüter unters Volk bringen wollen.
Dass weniger mehr ist, aufs Ganze der Menschheit gesehen und auch für das Wohlergehen von Hans und Grete hierzulande, diese Wahrheit degeneriert zum belanglosen Insidertipp. So war vor unserem Supermarkt lieber der komplette Fahrradständer gesperrt worden als ein einziger Parkplatz.
von Harald Rohr