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Hunger! Wann immer Zeitungsschlagzeilen oder Nachrichtensprecher mir dieses Stichwort zurufen, tauchen in meinem Kopf augenblicklich bestimmte Bilder auf: Menschen in afrikanischen Dürregebieten, ausgebeutete Landarbeiter in Indien, Katastrophenopfer wie zuletzt beim Erdbeben in Haiti. Hunger hat in unseren Köpfen seine Schauplätze, seine wiederkehrenden Bilder, seine Erklärungen, seine Schublade. Daraus folgt, dass es Orte gibt, an denen wir Hunger nicht vermuten – womöglich aber nur, weil er dort zu alltäglich, allzu normal, nicht Nachrichten-würdig ist.
Wohl deshalb bleibt bei mir hängen, dass der Präsident des mittelamerikanischen Staates Guatemala kürzlich Teile seines Landes zum Hunger-Notstandsgebiet erklärt hat. Guatemala ein Schauplatz richtig gehenden Hungers? Jenes Land, wo sich schon vor einer Generation Kaffee-Kleinbauern zusammen getan haben – als Pioniere des Fairen Handels? Wie einen Augapfel hüten wir in unserem Haushalt eine der ersten Blechdosen für Fair-Handels Kaffee aus den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts. „Indiokaffee aus Guatemala“ steht darauf zu lesen. Vielen, vielen Menschen haben wir seitdem die Hoffnungsgeschichte vom selbst bestimmten Weg aus der Armut erzählt. Kleinbauernvereinigungen bekommen einen fairen Preis für ihre Kaffeeernte! Ihre Familien, ihre Dörfer überwinden Ausbeutung und Hunger, schaffen sich selbst eine bessere Zukunft.
Das etwa wäre meine spontane Reaktion gewesen auf die Frage: „Was fällt Ihnen zu Guatemala ein?“ Statt dessen Berichte von Müttern, die ihre Kleinen irgendwie vor dem Hungertod bewahren müssen, während die Väter irgendwo auf Kaffeeplantagen Tagelohnarbeit suchen. Politische Analysen, denen zufolge die Regierung zwar den Hungernotstand ausruft, aber nicht bereit ist, irgendetwas an der Verteilung von Reichtum und Macht im Land zu ändern. In einem Land, in dem genug da wäre für alle.
Frustration schleicht sich in meine Knochen. Gewiss, an der wechselreichen Erfolgsgeschichte der Kaffee-Kooperativen gibt es nichts zu deuteln. Aber in unmittelbarer Nachbarschaft, in einem kleinen Land, kann der Hunger die Herrschaft über ganze Landstriche ergreifen. Was Kleinbauern schaffen, bleibt Plantagen-Tagelöhnern bis heute verwehrt. Frustration? Nenne ich es eher einen Rippenstoß in Richtung Realität!
Kaffee bleibt ein Packende im Einsatz für mehr Gerechtigkeit im Alltag unserer Gemeinden.