| || Stände, Aktionsflächen, Parcours > Direktorin kritisiert westliches Wachstumsmodell |
Bremen, 23. Mai 2009. Die Direktorin des evangelischen Hilfswerks „Brot für die Welt“, Pfarrerin Cornelia Füllkrug-Weitzel, hat sich auf dem Evangelischen Kirchentag in Bremen entschieden gegen die verschärfte Kritik an der Entwicklungshilfe gewarnt. Ein wesentlicher Grund dafür seien völlig überzogene Erwartungen, betonte sie bei einem von „Brot für die Welt“ veranstalteten Forum zum Nutzen von Entwicklungshilfe. Sie warnte davor ein einheitliches Modell des Wirtschaftswachstums nach westlichem Muster der ganzen Welt überzustülpen. Die Finanz- und Wirtschaftskrise habe gezeigt, dass dieses Modell nicht zukunftsfähig sei. Dagegen müsse man die Menschen in den Ländern des Südens dabei unterstützen, ihre Lebensbedingungen nach ihren eigenen Vorstellungen und entsprechend ihrer Kultur zu verbessern.
Der Schweizer Entwicklungshilfekritiker und Journalist Kurt Pelda hatte zuvor den Nutzen von Entwicklungshilfe grundsätzlich bezweifelt. Die Gelder würden korrupte afrikanische Regierungen stützen. Die Zahl der Armen in Afrika sei in den vergangenen 20 Jahren um 80 Prozent auf 300 Millionen gestiegen, kritisierte Pelda. Füllkrug-Weitzel hielt ihm entgegen, dass in Zeiten des Kalten Krieges der Westen viel dazu beigetragen habe, korrupte Regime zu schaffen und zu unterstützen. Außerdem würden die Rahmenbedingungen, wie die ungerechten Welthandelsbeziehungen, die Erfolge von Entwicklungshilfe wieder auffressen.
„Wie würde die Welt aussehen, wenn es keine Entwicklungshilfe gäbe“, fragte deshalb auch der Vorsitzende des Bundestagsausschusses für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Thilo Hoppe. Er wies darauf hin, dass 80 Prozent der Entwicklungshilfeprojekte erfolgreich seien. Dies sei von unabhängigen Experten bestätigt worden. Diese Ansicht teilte auch Hansjörg Elshorst, Vorsitzender von Transparency International. Er wies darauf hin, dass das heutige Hungerproblem eine Folge der von Weltbank und Internationalem Währungsfonds geforderten und geförderten Privatisierung in Entwicklungsländern sei. Dadurch seien Institutionen und Organisationen über die Hilfe an Kleinbauern geflossen sei, weggebrochen. Über diese Kanäle habe man auch über Entwicklungshilfegelder die Landwirtschat vernünftig fördern können.
Füllkrug-Weitzel wies auf konkrete Erfolge von Entwicklungsprojekten hin. So habe die Regierung in Uganda die von „Brot für die Welt“ geförderten und billigen Regenwassersammelsysteme übernommen und flächendeckend im Land eingeführt. Und in Südafrika habe die Treatment Action Campaign Abertausenden von Kindern von HIV-infizierten Müttern das Leben gerettet.