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Brot für die Welt

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30.06.2011

Überlebenskämpfe

Zeitungen jeder Tonlage, Radio- und Fernsehkanäle rauf und runter – alle haben sie heute nur ein Thema; nein, eigentlich zwei. Ein Vormittags- und ein Nachmittagsthema. Das Vormittagsthema: wird das griechische Parlament seinem Volk ein weiteres gigantisches Sparpaket zumuten und was, wenn nicht? Und dann das Nachmittagsthema: sie haben es getan! Aber hilft das wirklich?

Es liegt auf der Hand: Die Leute sind nicht über Nacht zu Fans der Wirtschaftsredaktionen geworden. Sie sorgen sich um griechische Kollateralschäden für das eigene Sparkonto, das eigene Aktiendepot, den eigenen Arbeitsplatz, die eigene Rente. Wer wollte das nicht verstehen, auch wenn der letzte Währungsschnitt, der von Reichsmark zu D-Mark von einer ungleich größeren Katastrophe überlagert war. Die vorletzte einschlägige Erfahrung, die der 20er-Jahre des vorigen Jahrhunderts, gehörte immerhin zu den Brandbeschleunigern auf dem Weg in die Tyrannei.

Es liegt auf der Hand: Dieser 29. Juni 2011 hat medial sein Thema. Ich überfliege eher das restliche Angebot meiner Tageszeitung, nicht sonderlich neugierig. Oben auf der Seite bringen sie gern Kurzmeldungen, hin und wieder ironisch gewürzt. Einmal mit den Augen von links nach rechts. Nichts besonderes, bis auf  - “Zehn Millionen leiden unter Dürre“ titelt die letzte Kurzmeldung. Ich erfahre, dass sich am Horn von Afrika eine riesige Hungersnot zusammenbraut. Wahrlich nicht zum ersten Mal, aber total real. Die UNO-Fachleute sind alarmiert. Die Hilfswerke werden Bescheid wissen, auch wenn der kurze Pressetext nichts davon berichtet. Im Internet, wo ich nachschaue, wissen sie schon deutlich mehr. Hungerflüchtlinge sind schon zu Zehntausenden unterwegs. Die Regierungen von Äthiopien, Kenia, Uganda sitzen mit Sicherheit über Notfallplänen. Und eine UNO-Stimme ruft laut zu Spenden auf.

Soviel zum Thema Prioritäten am 29. Juni 2011 und an jedem anderen Tag unserer Zeit. Ja, auch ich wünsche mir, dass die Kaufkraft meiner Spargroschen erhalten bleibt. Auch wenn sie nur noch dafür bereitliegen, unsere Kinder zu schonen, sollte ich mal ins Pflegeheim müssen.

Aber der nackte Überlebenskampf der Millionen in den Dürre- und Hungerregionen der Welt - er gefährdet die gedeihliche Zukunft meiner Enkel um keinen Deut weniger als das Schicksal unserer Banken und Volkswirtschaften in der Euro-Krise.

Bleibt die Frage: Spenden für Dürreopfer? Wenn die Diakonie demnächst darum bittet, ja! Aber gegen die Dürre und gegen den Euro-Kollaps helfen unterm Strich nur politische Weichenstellungen, die an die Wurzeln der Übel gehen.

von Harald Rohr

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